Wer im Winter indoor trainieren möchte, steht oft vor der Entscheidung: Soll es ein teures Smart Bike wie das Zwift Ride mit Kickr Core sein, oder nutzt man das eigene Rennrad auf einem Rollentrainer? Ein echtes Smart Bike ist klasse, schlägt aber schnell mit rund 1.300 € zu Buche.
Ich habe mich für einen cleveren Mittelweg entschieden und ein gebrauchtes Vintage-Rennrad für nur 130 € in ein vollwertiges, optisch schickes und leises DIY Zwift Ride umgebaut. In diesem Beitrag zeige ich euch Schritt für Schritt meine Komponenten, den Bau einer stabilen Gabel-Halterung sowie einer beweglichen Rocker Plate und rechne euch am Ende vor, wie viel Geld ich im Vergleich zum Fertigsystem gespart habe.

1. Das Herzstück: Rollentrainer mit Zwift Cog & Click
Als Basis dient der Decathlon Van Rysel D100 Rollentrainer. Dieser ist ab Werk bereits mit dem Zwift Cog (einem Single-Speed-Ritzel für virtuelle Schaltung) und dem Zwift Click Schalter für den Lenker ausgestattet. So entfällt das lästige Schalten über eine mechanische Kassette komplett.
Um das Fahrgefühl noch realistischer zu gestalten und den Rahmen bei Wiegetritt-Einheiten zu schonen, steht der Trainer bei mir auf beweglichen Rocker Plate Füßen. Da der Innendurchmesser der Füße nicht exakt passte, habe ich mir kurzerhand passende Adapterrohre aus dem 3D-Drucker eingelassen.
2. Die Lösung für die Vorderrad-Aufnahme: Gabel-Halterung DIY
In Foren und auf Facebook sieht man oft die Frage: „Wie stütze ich die Gabel beim Indoor-Bike ab, ohne das Vorderrad montiert zu lassen?“ Schließlich spart das Weglassen des Vorderrads enorm Platz im Trainingsraum.
Meine Lösung besteht aus dem Tacx T1150 Haltebügel, den ich stabil auf einer Konstruktion aus schwarzen Alu-Nutenprofilen und passenden Nutensteinen montiert habe:
Damit der Boden geschont wird und feine Vibrationen gar nicht erst ins Gebäude übertragen werden, stehen die Alu-Profile auf cleveren, 3D-gedruckten Tennisball-Füßen von MakerWorld. Das gesamte Setup ruht zusätzlich auf einer einfachen Fitnessmatte aus dem Discounter.
Hier ist noch anzumerken, dass der Vorderbau des Rades mit dieser Konstruktion ein ganzes stück höher kommt, als die Achse hinten ist, weshalb ich evtl. noch eine kleinere Gabel aus einem BMX oder Kinder Fahrrad nachrüsten werde.
3. Der Umbau des Retro-Rennrades: Clean, leise & schick
Das gebrauchte 130-Euro-Rennrad habe ich im ersten Schritt grundgereinigt. Da wir dank Zwift Cog virtuell schalten, wurden alle Schaltungsteile, Umwerfer, Schalthebel und Bowdenzüge komplett entfernt. Das sorgt für eine extrem cleane Optik!
Damit die Kette auf dem Single-Speed-Setup sauber läuft, habe ich folgendes verbaut:
- Eine neue Fahrradkette, die direkt mit Kettenwachs präpariert wurde (kein lästiges Kettenöl-Schmieren im Wohnzimmer mehr!).
- Einen verstellbaren Single-Speed-Kettenspanner an der Hinterrad-Aufnahme.
Für das optische Finetuning des schicken Retro-Aero-Lenkers gab es neues Lenkerband sowie stylische Bremshebel (ohne Funktion, rein für die Ergonomie und Optik beim Greifen). Ein unverzichtbarer Schweißfänger schützt den Rahmen vor Korrosion.
4. Ergonomie & Sensorik für das volle Zwift-Erlebnis
Damit die Sitzposition exakt wie auf meinem echten Gravelbike ist, gab es eine längere Sattelstütze sowie meinen bewährten Alpensattel. Gegen Kettenschlag schützt ein aufgeklebter Kettenstreben-Schutz.
Für die vollständige Erfassung aller Trainingsdaten auf Zwift (oder Alternativen wie MyWhoosh) braucht es neben der Leistungsmessung des Rollentrainers noch die passende Sensorik. Hier habe ich einen Trittfrequenzsensor an der Kurbel befestigt und nutze einen genauen Bluetooth/ANT+ Brustgurt zur Herzfrequenzmessung:
Preisvergleich: DIY Zwift Ride vs. Original Zwift Ride mit Kickr Core

Schauen wir uns die Gesamtkosten meines DIY-Projekts im Detail an:
| Komponente / Bauteil | Preis (ca.) |
| Gebrauchtes Retro-Rennrad | 130,00 € |
| Van Rysel D100 Trainer (mit Neukunden-Rabatt) | 251,98 € |
| Tacx T1150 Gabel-Haltebügel (Gebraucht) | 40,00 € |
| Rocker Plate Füße | 23,99 € |
| Alu-Nutenprofile & Nutensteine | 29,68 € |
| Kette, Kettenwachs & Kettenspanner | 32,99 € (Wachs ca. Anteilig) |
| Neue Bremshebel, Lenkerband & Schweißfänger | 53,00 € |
| Sattelstütze & Alpensattel | 65,00 € |
| Trittfrequenzsensor | 16,99 € |
| Schutzfolie, Matten & 3D Druck | 20,00 € |
| GESAMTSUMME DIY SETUP | ca. 663,63,00 € |
Vergleich zum Original:
- Zwift Ride Smart Bike mit Kickr Core: ca. 1.299,99 €
- Ersparnis: Über ca., 636,36€ (fast 50 % günstiger!)
Mein Fazit nach einigen Wochen Alltagstest
Ich habe das DIY-Setup nun seit mehreren Wochen intensiv im Training im Einsatz und bin absolut begeistert! Die Kombination aus dem leisen Van Rysel D100, der leichten Bewegung durch die Rocker Plate Füße und der stabilen Gabelstütze fühlt sich beim Fahren hervorragend an.
Wer etwas handwerkliches Geschick mitbringt oder Zugriff auf einen 3D-Drucker hat, kann sich für die Hälfte des Preises eines Zwift Ride ein perfektes, individuelles Indoor-Training-Rig aufbauen!
Einen direkten Einblick in mein Setup in Action könnt ihr euch auch in meinem YouTube-Video ansehen:
Habt ihr euch auch schon ein Smart Bike selber gebaut oder nutzt ihr euer normales Straßenrad auf der Rolle? Wie habt ihr das Problem mit der Vorderrad-Aufnahme gelöst? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!
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